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Zum YouTube-Kanal Capoeira Regional von UNICAR Berlin

UNICAR Geschichte in Bewegung

Unser YouTube-Kanal dokumentiert über 25 Jahre Capoeira Regional. Entdecken Sie Workshops, offene Rodas, historische Aufnahmen, Auftritte und besondere Momente aus der Geschichte der UNICAR. Die Videos bewahren wertvolle Erinnerungen und bieten spannende Einblicke in die Entwicklung unserer Gruppe und der Capoeira Regional.

Das Nachschlagewerk UNICAR Berlin

In unserer Fundgrube sammeln wir Wissen, Medien und interessante Einblicke in die Welt der Capoeira Regional. Erkunden Sie Begriffe, Instrumente, Traditionen, historische Hintergründe und vieles mehr.

Capoeira verbindet Kampf, Bewegung, Musik, Rhythmus, Tanz, Akrobatik und Spiel. Technik und Kampf sind wichtige Elemente, erhalten ihre eigentliche Bedeutung jedoch erst im Zusammenspiel mit Musik, Rhythmus und dem Gegenüber. Capoeira ist mehr als ein Kampfsport. Sie ist Ausdruck, Kommunikation und Lebensgefühl. Ohne den anderen gibt es kein gemeinsames Spiel, keinen Dialog und somit auch keine Capoeira.

In der Roda entsteht ein Austausch zwischen zwei Capoeiristas, getragen von Musik, Gesang, Rhythmus und der Energie der Gruppe. Von außen sieht man zunächst einen Kreis von Menschen, die rhythmisch in die Hände klatschen und gespannt in die Mitte schauen. Dort bewegen sich zwei Capoeiristas im gemeinsamen Spiel. Obwohl Capoeira kämpferische Techniken enthält, sprechen Capoeiristas traditionell vom „Spielen“. Angriffe, Ausweichbewegungen, Finten, Tritte, Akrobatik und die Ginga verbinden sich zu einem bewegten Dialog.

Die Ginga ist der grundlegende Bewegungsrhythmus der Capoeira. Aus ihr entstehen Angriffe, Ausweichbewegungen, Drehungen, Übergänge und akrobatische Elemente. Capoeira lebt von Improvisation, Reaktionsfähigkeit, Kreativität und der Fähigkeit, auf den Rhythmus und das Gegenüber zu antworten.

Die Geschichte der Capoeira ist eng mit der Kolonialisierung Brasiliens, der Verschleppung afrikanischer Menschen und dem Widerstand gegen Unterdrückung verbunden. Im Jahr 1500 erreichte der portugiesische Seefahrer Pedro Álvares Cabral die Küste Brasiliens. In der Folgezeit begannen Kolonialisierung, Ausbeutung und Gewalt gegenüber der indigenen Bevölkerung. Viele indigene Menschen wurden zur Arbeit gezwungen, starben an Gewalt, Krankheiten und den Folgen der kolonialen Unterdrückung. Mit der Ausweitung der kolonialen Plantagenwirtschaft wurden Millionen afrikanischer Menschen nach Brasilien verschleppt und versklavt. Brasilien erhielt über mehrere Jahrhunderte hinweg mehr versklavte Afrikanerinnen und Afrikaner als jedes andere Land Amerikas.

Die Menschen kamen aus unterschiedlichen Regionen Afrikas, unter anderem aus Gebieten des heutigen Angola, Kongo und Mosambik. Sie brachten verschiedene Sprachen, Rituale, musikalische Traditionen, Kampfformen und kulturelle Ausdrucksweisen mit. Aus diesen unterschiedlichen Einflüssen entstand über Generationen hinweg etwas Neues. Capoeira entwickelte sich als Ausdruck von Widerstand, Gemeinschaft, Körperkultur, Musik und Überlebensstrategie. Sie war zugleich Kampf, Spiel, Tanz, Ritual und kulturelle Identität.

Der Capoeira-Autor Nestor Capoeira vergleicht diese Entstehung sinngemäß mit einer Situation, in der Menschen aus völlig unterschiedlichen Kulturen gewaltsam an einen fremden Ort gebracht werden. Über Jahre und Generationen entsteht aus ihren verschiedenen Erfahrungen, Fähigkeiten und Traditionen eine neue gemeinsame Kultur. Genau darin liegt eine wichtige Kraft der Capoeira: Sie verbindet Unterschiedliches und schafft daraus eine eigene Sprache des Körpers, der Musik und der Gemeinschaft.

Der Kreis, in dem Capoeira gespielt wird, heißt Roda. Das portugiesische Wort „roda“ bedeutet Kreis. Die beiden Capoeiristas, die in der Mitte spielen, werden auch „jogadores“ genannt. Dieser Begriff leitet sich vom portugiesischen Wort „jogo“ ab, das Spiel bedeutet. Wenn zwei Capoeiristas miteinander spielen möchten, treten sie an den Fuß der Berimbaus. Die Berimbaus geben den Rhythmus vor und bestimmen damit den Charakter des Spiels. Die Capoeiristas schauen sich an, geben sich die Hand und beginnen das Spiel. Häufig erfolgt der Eintritt in die Roda mit einem Rad oder einer anderen fließenden Bewegung.

Die Umstehenden klatschen den Rhythmus, singen den Refrain und tragen die Energie der Roda. In der Mitte entsteht ein Dialog aus Bewegung, Angriff, Ausweichen, Täuschung, Akrobatik und Reaktion. Je nach Toque, Lied, Können und Stimmung kann das Spiel ruhig, spielerisch, technisch, akrobatisch oder kampfbetonter sein.
Am Ende gibt es keinen klassischen Gewinner oder Verlierer. Die Capoeiristas entscheiden selbst, wann ihr Dialog endet. Ein anderer Spieler kann sich in das Spiel „einkaufen“. Dieses „comprar o jogo“ bedeutet, dass ein Capoeirista das laufende Spiel übernimmt. Dabei zeigt er seine Absicht deutlich und respektvoll an, indem er zwischen die Spielenden tritt oder einen Arm zwischen sie hält. Danach setzt er das Spiel mit einem der beiden Capoeiristas fort.

Capoeira ist äußerst vielseitig. Sie verbindet Akrobatik, Kampfsport, Rhythmik, Reaktionsfähigkeit, Improvisation und Kreativität. Der Körper bleibt ständig in Bewegung. Durch die Ginga, tiefe Ausweichbewegungen, Drehungen, Übergänge und akrobatische Elemente wird der Capoeirista schwer berechenbar. Statt starrem Blocken steht häufig das Ausweichen im Vordergrund.

Capoeira Kindertraining in Berlin bei UNICAR Capoeira Regional

Traditionell findet Capoeira in der Roda statt. Die Musik wird von der Bateria gespielt, also der Gruppe der Musikerinnen und Musiker. Im Zentrum steht der Berimbau, ein Musikbogen, der den Rhythmus und den Charakter des Spiels bestimmt.

In vielen Capoeira-Traditionen gibt es drei Berimbaus: Gunga, Médio und Viola. Der Gunga hat den tiefsten Klang und gibt meist den Grundrhythmus vor. Der Médio ergänzt diesen Rhythmus und kann Variationen spielen. Die Viola hat den höchsten Klang und wird häufig für feine rhythmische Variationen und Improvisationen genutzt.

Je nach Capoeira-Linie kann die Zusammensetzung der Bateria unterschiedlich sein. In der Capoeira Angola werden häufig drei Berimbaus, Pandeiros, Atabaque, Agogô und Reco-Reco verwendet. In der traditionellen Capoeira Regional nach Mestre Bimba war die Bateria schlichter aufgebaut und bestand klassisch aus einem Berimbau und zwei Pandeiros. Der Berimbau-Spieler, häufig ein Mestre oder ein erfahrener Capoeirista, stimmt die Lieder an. Die Capoeira-Lieder werden meist auf Portugiesisch gesungen. Viele Lieder folgen dem Prinzip von Ruf und Antwort: Eine Person singt vor, die Roda antwortet im Chor. Sowohl der Toque als auch das Lied haben Bedeutung. Sie können das Spiel beruhigen, beschleunigen, akrobatische Bewegungen anregen, Aufmerksamkeit fordern oder den Charakter der Roda verändern. Musik ist deshalb nicht nur Begleitung, sondern ein zentrales Element der Capoeira.

Übersicht aller traditionellen Capoeira Instrumente mit Berimbau, Pandeiro, Atabaque, Agogô und Caxixi

Angola:
 Ein langsamer und traditioneller Toque der Capoeira. Das Spiel ist bodennah, ausdrucksstark und von Mandinga, Täuschung und taktischer Finesse geprägt. Trotz des langsamen Tempos kann Angola sehr anspruchsvoll und gefährlich sein, da Angriffe, Ausweichbewegungen und Rhythmuswechsel oft subtil und überraschend eingesetzt werden.

São Bento Pequeno:
 São Bento Pequeno, auch als Angola Invertida bekannt, begleitet ein eher geschlossenes, technisches und kontrolliertes Spiel. Es wird nah am Partner gespielt, mit besonderem Augenmerk auf flüssige Bewegungen, runde Übergänge und ein wachsames Zusammenspiel.

Pouquinho:
 Ist ein seltener und nicht überall einheitlich definierter Toque. Der Begriff steht für ein kleines, reduziertes und kontrolliertes Spiel mit engem Abstand zwischen den Capoeiristas. Präzision, Timing, Körperbeherrschung und ein feines Gespür für den Partner stehen im Mittelpunkt.

São Bento Pequeno de Angola:
 São Bento Pequeno de Angola wird häufig mit Angola Invertida in Verbindung gebracht. Der Toque begleitet ein nahes, technisches und wachsames Spiel. Es wird kontrolliert, mit Mandinga und taktischer Finesse gespielt, ohne den offenen kämpferischen Charakter schnellerer Toques in den Vordergrund zu stellen.

Benguela:
 Ist ein ruhiger bis mittelschneller Toque für ein flüssiges, technisches und kontrolliertes Spiel. Die Capoeiristas spielen eng miteinander, verbinden ihre Bewegungen harmonisch und achten auf saubere Übergänge. Direkte harte Angriffe und übermäßige Akrobatik stehen nicht im Vordergrund.

Banguela:
 Wird besonders mit der Tradition der Capoeira Regional und Mestre Bimba verbunden. Der Toque begleitet ein ruhigeres, kontrolliertes und geschlossenes Spiel. Im Vordergrund stehen Technik, Aufmerksamkeit, Spielintelligenz und ein respektvoller Dialog zwischen den Capoeiristas.

São Bento Grande de Bimba:
 Ein schneller, kraftvoller und explosiver Toque der Capoeira Regional nach Mestre Bimba. Das Spiel ist dynamisch, athletisch und kampfbetont. Schnelle Tritte, direkte Angriffe, Würfe, Ausweichbewegungen und Akrobatik können Teil dieses Spiels sein.

Idalina:
 Ist ein seltenerer Toque aus dem Umfeld der Capoeira Regional. Das Spiel kann langsam bis moderat sein und sowohl Bewegungen im Stand als auch bodennahe Elemente enthalten. Der genaue Charakter des Spiels wird je nach Gruppe unterschiedlich interpretiert.

Amazonas:
 Ein Toque, der mit Mestre Bimba verbunden wird. Er wird häufig mit einem Spiel assoziiert, in dem die Capoeiristas ihre technische Qualität, Körperbeherrschung, Kreativität und Sicherheit in der Bewegung zeigen.

Santa Maria:
 Ein Toque, der je nach Capoeira-Linie unterschiedlich verstanden wird. In einigen Traditionen wird er mit historischen Erzählungen über Spiele mit Messern oder Rasiermessern verbunden. In der Capoeira Regional nach Mestre Bimba besitzt Santa Maria jedoch nicht überall eine eindeutig festgelegte Spielform.

Santa Maria de Bimba: Wird bezeichnet als eine Variation im Repertoire der Capoeira Regional. Der Toque wird mit Mestre Bimba verbunden, seine genaue Funktion wird jedoch je nach Quelle unterschiedlich beschrieben. Er kann als ruhigerer Toque verstanden werden, ohne dass ihm überall ein festes Spiel eindeutig zugeordnet wird.

Cavalaria: Wurde früher gespielt, um Capoeiristas vor anrückender Polizei oder Kavallerie zu warnen. Der Rhythmus erinnert an galoppierende Pferde und hat dadurch eine deutliche Warnfunktion. Heute wird Cavalaria vor allem als historisch bedeutsamer Toque verstanden.

Iúna:
 Ist nach einer Vogelart benannt und bezeichnet einen Toque, der traditionell von graduierten Capoeiristas gespielt wird. Das Spiel ist elegant, akrobatisch und nicht primär kämpferisch. Häufig werden technische Bewegungen, Balões und kontrollierte akrobatische Elemente gezeigt. Iúna kann außerdem zum Gedenken an verstorbene Capoeiristas gespielt werden. Im Gegensatz zu vielen anderen Toques wird bei Iúna traditionell nicht gesungen.

Samango:
 Dieser ist ein traditioneller Toque der Capoeira Regional und wird für ein lebendiges, dynamisches Spiel verwendet. Sein Rhythmus fördert Aufmerksamkeit, Beweglichkeit und schnelle Reaktionen zwischen den Capoeiristas. Dabei stehen technische Vielfalt, Kreativität und ein flüssiger Austausch in der Roda im Vordergrund. Er trägt dazu bei, die Energie der Roda zu steigern und die Verbindung zwischen Musik und Bewegung besonders deutlich hervorzuheben.

Tico Tico:
 Bei Tico Tico, auch mit „Apanha a laranja no chão“ verbunden, wurde ein Geldschein oder Gegenstand in die Mitte der Roda gelegt. Ziel war es, diesen während des Spiels mit dem Mund aufzunehmen. Das Spiel war gefährlich, da der Kopf beim Aufheben besonders verletzlich war.

Miudinho:
 Ist ein moderner Toque, der besonders mit Mestre Suassuna verbunden wird. Das Spiel ist sehr eng, schnell und körpernah. Die Capoeiristas bewegen sich nah beieinander und zeigen Kreativität, Reaktionsfähigkeit, Bodenspiel und präzise Kontrolle. Miudinho ist keine eigene Capoeira, sondern eine besondere Art, Capoeira klein, dicht und technisch zu spielen.

Samba de Roda:
 Zu diesem Toque wird Samba in der Roda getanzt. Abwechselnd kann ein Mann oder eine Frau einen der Tanzenden herauskaufen, indem er oder sie sich zwischen die Tanzenden schiebt oder mit einer spielerischen Finta andeutet, dass der andere Platz machen soll. Samba de Roda steht für Feier, Musik, Rhythmus und Gemeinschaft.

Die sogenannte „Hymne der Capoeira“ geht auf eine humorvolle Episode aus dem Umfeld Mestre Bimbas zurück. Seine ersten 24 weißen Schüler waren junge, lebensfrohe Studenten, die Musik, Freiheit und Geselligkeit liebten. Mestre Bimba spielte damals einen einfachen, eher monotonen Toque, der sich mehr als musikalische Übung eignete als für ein eigentliches Capoeira-Spiel. Cisnando, einer seiner bekannten Schüler, nannte diesen Toque scherzhaft die „Hymne der Capoeira“. Später wurde dazu ein spöttischer und derber Text gesungen, ganz im Stil der Capoeiristas, die oft mit Doppeldeutigkeiten, Überraschungen und Humor arbeiteten. Der Witz lag gerade darin, einen einfachen musikalischen Scherz als „Hymne“ zu bezeichnen. So zeigt diese Geschichte, dass in der Capoeira nicht nur Technik und Musik wichtig sind, sondern auch Humor, Aufmerksamkeit und ein gutes Verständnis für den kulturellen Kontext. Wer die Toques des Berimbaus verstehen will, muss auch zwischen Ernst, Spiel, Spott und Tradition unterscheiden können.

„Ein Krieger allein gegen viele – gegen zu viele.“ So beginnt eine der bekanntesten Legenden über den Ursprung des Maculelê.
Wie bei der Capoeira lässt sich auch beim Maculelê nicht eindeutig bestimmen, wo genau seine Ursprünge liegen. Häufig wird angenommen, dass Maculelê afrikanische Wurzeln hat und mit den kulturellen Ausdrucksformen versklavter Afrikanerinnen und Afrikaner in Brasilien verbunden ist. Gleichzeitig gibt es unterschiedliche Theorien, Legenden und historische Deutungen.

Einige Autoren beschreiben Maculelê als kämpferischen Tanz, der mit Widerstand, Flucht und Ablenkung verbunden war. Einer Überlieferung zufolge bildeten versklavte Menschen eine Maculelê-Roda, um die Aufseher abzulenken, wenn jemand zu fliehen versuchte. Andere Deutungen sehen im Maculelê eher einen rituellen, festlichen oder spielerischen Tanz.
Der Historiker Manuel Querino beschrieb in seinem Werk „Bahia de Outrora“ einen afrikanisch geprägten Tanz namens Cucumbi, bei dem Holzstäbe gegeneinandergeschlagen und dazu gesungen wurde. Da auch im Maculelê Stöcke verwendet werden und Gesang eine wichtige Rolle spielt, wurde häufig eine Verbindung zwischen Maculelê und Cucumbi hergestellt.
Auch die Folkloreforscherin Hildegardes Vianna und die Professorin Zilda Paim aus Santo Amaro da Purificação sahen im Maculelê eine mögliche Weiterentwicklung oder ein Fragment des Cucumbi.

Besonders eng ist Maculelê mit Santo Amaro da Purificação in Bahia verbunden. Dort wurde Maculelê früher bei religiösen Festen getanzt, unter anderem im Zusammenhang mit den Feierlichkeiten zu Nossa Senhora da Purificação und Nossa Senhora da Conceição. Dadurch wurde Maculelê zu einem wichtigen Bestandteil der afrobrasilianischen Volkskultur Bahias. Zur Bedeutung des Wortes Maculelê gibt es verschiedene Erklärungen. Eine Deutung besagt, dass der Name aus den Begriffen „Macum“ und „Lê“ entstanden sei, die mit afrikanischen Instrumenten in Verbindung gebracht werden. Andere Theorien verweisen auf mögliche Einflüsse aus Mosambik, Senegal oder sogar Portugal. Diese unterschiedlichen Erklärungen zeigen, wie vielfältig und teilweise widersprüchlich die Überlieferungen zum Maculelê sind.

Eine der bekanntesten Legenden erzählt von einem schwarzen Krieger, der sein Dorf allein verteidigen musste. Da er keine anderen Waffen hatte, kämpfte er mit zwei Holzstäben gegen die Angreifer. Diese Geschichte steht symbolisch für Mut, Widerstandskraft und die kämpferische Energie des Maculelê.

Heute wird Maculelê meist als kraftvoller afrobrasilianischer Stocktanz verstanden. Er verbindet Rhythmus, Gesang, Bewegung, Kampfkunst, Ausdruck und Gemeinschaft. Die Teilnehmenden schlagen ihre Stöcke im Rhythmus der Musik gegeneinander, bewegen sich dynamisch in der Gruppe und erzeugen eine intensive, energiegeladene Atmosphäre.

Maculelê ist damit mehr als ein Tanz. Er ist ein Ausdruck afrobrasilianischer Kultur, Erinnerung und Widerstandskraft. Wie viele kulturelle Formen Brasiliens wurde auch Maculelê durch verschiedene afrikanische, indigene, religiöse und lokale Einflüsse geprägt und über Generationen weiterentwickelt.
Quelle: Emilia Biancardi, „Olelê Maculelê“

Manoel dos Reis Machado (1899–1974), weltweit bekannt als Mestre Bimba, zählt zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der Capoeira und der brasilianischen Kulturgeschichte. Er gilt als Begründer der Capoeira Regional, die er selbst auch als Luta Regional Baiana bezeichnete. In einer Zeit, in der Capoeira gesellschaftlich wenig Anerkennung fand und lange mit Vorurteilen, Verfolgung und Illegalität verbunden war, entwickelte Mestre Bimba ein strukturiertes Trainingssystem. Dabei verband er traditionelle Elemente der Capoeira mit effektiven Kampf-, Bewegungs- und Unterrichtsprinzipien.

Im Jahr 1932 gründete Mestre Bimba seine Capoeira-Schule in Salvador da Bahia. Damit schuf er einen entscheidenden Meilenstein für die Anerkennung und Weiterentwicklung der Capoeira. Seine Lehrmethode umfasste systematische Trainingskonzepte wie die Sequências de Ensino, die Cintura Desprezada, Würfe, Verteidigungstechniken sowie klare Regeln für Unterricht, Disziplin und Verhalten. Durch diesen methodischen Ansatz trug Mestre Bimba wesentlich dazu bei, Capoeira aus der gesellschaftlichen Ausgrenzung herauszuführen und als brasilianische Kampfkunst, Kulturform und pädagogisches System sichtbar zu machen. Mestre Bimba galt zu seiner Zeit als außergewöhnlich erfolgreicher Kämpfer. Sein Beiname „Três Pancadas“ – „drei Schläge“ – verweist auf seine große kämpferische Wirksamkeit und die Berichte, dass er Gegner häufig bereits nach wenigen Treffern besiegte. 

Einen historischen Meilenstein erreichte die Capoeira im Jahr 1953, als Mestre Bimba seine Kunst dem damaligen brasilianischen Präsidenten Getúlio Vargas vorführte. Beeindruckt von der Darbietung bezeichnete Vargas Capoeira als den „einzig wahrhaft nationalen Sport“ Brasiliens.
Bis heute prägen die Prinzipien, Techniken und Werte Mestre Bimbas die Capoeira Regional weltweit. Seine Arbeit bildet eine Grundlage der Tradition, die über Generationen weitergegeben wird und auch innerhalb der Grupo UNICAR einen zentralen Stellenwert einnimmt.

Die Geschichte der UNICAR ist eng mit der Tradition der Capoeira Regional nach Mestre Bimba verbunden. Sie führt von Salvador da Bahia über die Akademie von Mestre Bimba und Mestre Vermelho 27 bis nach Europa, wo Mestre Nelsinho, Mestre Saguin und weitere Mestres die Capoeira Regional weitergaben und die UNICAR mitbegründeten.

Mestre Bimba

Mestre Bimba

Manoel dos Reis Machado, bekannt als Mestre Bimba, wurde am 23. November 1899 in Salvador da Bahia geboren und starb am 15. Februar 1974 in Goiânia. Er gilt als Begründer der Capoeira Regional und zählt zu den wichtigsten Persönlichkeiten der brasilianischen Kulturgeschichte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Capoeira in Brasilien gesellschaftlich stark stigmatisiert und wurde lange verfolgt. Mestre Bimba entwickelte in dieser Zeit ein strukturiertes Unterrichtssystem, das er Luta Regional Baiana nannte und das später als Capoeira Regional bekannt wurde. 1932 gründete Mestre Bimba seine Capoeira-Schule in Salvador. Dort führte er ein methodisches Training ein, zu dem unter anderem Sequências de Ensino, Cintura Desprezada, Balões, Würfe, Verteidigungstechniken sowie klare Regeln für Disziplin und Verhalten gehörten. Einen historischen Meilenstein erreichte Capoeira im Jahr 1953, als Mestre Bimba seine Kunst dem brasilianischen Präsidenten Getúlio Vargas vorführte. Vargas bezeichnete Capoeira danach als den „einzig wahrhaft brasilianischen Sport“.

Mestre Vermelho 27

Mestre Vermelho 27

Mestre Vermelho 27, mit bürgerlichem Namen José Carlos Andrade Bittencourt, wurde 1936 geboren und starb 1996. Er begegnete Mestre Bimba im Jahr 1952 und wurde einer seiner bedeutenden Schüler. Mestre Bimba soll über ihn gesagt haben, er sei „Maluco por Capoeira“, also „verrückt nach Capoeira“. Als Mestre Bimba 1970 nach Goiânia ging, übernahm Mestre Vermelho 27 die Akademie in Salvador. Nach dem Tod Mestre Bimbas änderte er den Namen der Schule von „Centro de Cultura Física Regional“ in „Academia do Mestre Bimba“. Damit spielte Mestre Vermelho 27 eine entscheidende Rolle für die Bewahrung und Weitergabe der Capoeira Regional nach Mestre Bimba.

Mestre Bamba

Mestre Bamba

Mestre Bamba steht in direkter Verbindung zur Linie von Mestre Bimba und Mestre Vermelho 27. Er lebt in Salvador da Bahia und engagierte sich über viele Jahre für die Bewahrung der Capoeira Regional. 1977 begann Mestre Bamba mit Capoeira bei Mestre Gato. Später trainierte er im Pelourinho in Salvador bei Mestre Vermelho 27 und schloss sich dessen Akademie an. Unter der Anleitung von Mestre Vermelho 27 vertiefte er sein Wissen über Technik, Musik, Philosophie und Tradition der Capoeira Regional. Nach dem Tod von Mestre Vermelho 27 setzte sich Mestre Bamba dafür ein, die Geschichte und Tradition der Capoeira Regional zu erhalten. Dabei betonte er immer wieder den Respekt gegenüber anderen Capoeira-Stilen und die Verantwortung, überliefertes Wissen an kommende Generationen weiterzugeben.

Mestre Neslinho

Mestre Nelsinho

Mestre Nelsinho, Nelson Batista, lernte Mestre Bamba in den 1970er-Jahren bei einer Show in der Tanzschule SENAC in Salvador kennen. Von diesem Moment an wurde Capoeira ein zentraler Teil seines Lebens. Er trainierte in der Tradition von Mestre Bimba, Mestre Vermelho 27 und Mestre Bamba im Pelourinho in Salvador. Dort lernte er die Techniken, die Musik und die Philosophie der Capoeira Regional kennen, die er später an seine eigenen Schüler weitergab. Ende der 1980er-Jahre unterrichtete Mestre Nelsinho in verschiedenen Akademien in Salvador. Später kam er nach Europa, um Capoeira auch hier zu verbreiten. Dabei war es ihm wichtig, nicht nur Erwachsene zu unterrichten, sondern auch Kindern und Jugendlichen einen Zugang zur Capoeira zu ermöglichen. In Deutschland gründete Mestre Nelsinho seine eigene Gruppe „Associação de Capoeira Mestre Vermelho 27 – Grupo Magia“, die in Deutschland und Polen vertreten war. Er wurde zu Workshops und Shows in Deutschland, Spanien, Frankreich und weiteren europäischen Ländern eingeladen.

Im Jahr 2003 gründete Mestre Nelsinho gemeinsam mit Mestre Saguin und weiteren ehemaligen Schülern von Mestre Bamba die União Internacional de Capoeira Regional, kurz UNICAR. Ziel war es, die Tradition der Capoeira Regional nach Mestre Bimba zu bewahren und gemeinsam weiterzugeben. Im Jahr 2008 erhielt er von Mestre Saci, einem ehemaligen Schüler Mestre Bimbas, die Mestre-Kordel.

Mestre Saci

Mestre Saci

Mestre Saci, Josevaldo Lima de Jesus, wurde am 16. März 1945 in Santa Bárbara im Bundesstaat Bahia geboren. Im Juli 1964 begann er mit Capoeira Regional an der Akademie von Mestre Bimba. Als direkter Schüler von Mestre Bimba erlebte Mestre Saci (Interview von Vem Pra Roda) wichtige Entwicklungen der Capoeira Regional in Bahia aus nächster Nähe. Dadurch wurde er zu einem bedeutenden Zeitzeugen der Geschichte Mestre Bimbas und seiner Akademie. Mestre Saci besitzt ein tiefes Wissen über die ursprüngliche Capoeira Regional und spielte eine wichtige Rolle bei der Anerkennung späterer Mestres innerhalb dieser Linie.

Anerkennung durch Mestre Saci

Anerkennung durch Mestre Saci

Im Jahr 2008 erhielt Mestre Nelsinhop von Mestre Saci das Zertifikat und die Mestre-Kordel als Anerkennung. Diese Anerkennung besitzt innerhalb der Tradition der Capoeira Regional eine besondere Bedeutung, da Mestre Saci selbst direkter Schüler Mestre Bimbas war. Dadurch wird die Verbindung der UNICAR zur Linie von Mestre Bimba, Mestre Vermelho 27 und Mestre Bamba sichtbar und weitergetragen.

Die Linie der Gruppe UNICAR

Die Linie der Gruppe UNICAR

Die Gruppe UNICAR steht in der Tradition der Capoeira Regional nach Mestre Bimba. Ihre Geschichte verbindet die Wurzeln in Salvador da Bahia mit der Weitergabe der Capoeira in Europa. Von Mestre Bimba über Mestre Vermelho 27 und Mestre Bamba bis zu Mestre Nelsinho, Mestre Saguin und weiteren Mestres wird eine Linie sichtbar, die Technik, Musik, Disziplin, Respekt, Geschichte und kulturelle Verantwortung miteinander verbindet. Das Ziel der Gruppe UNICAR ist es, diese Tradition lebendig zu halten, an kommende Generationen weiterzugeben und Capoeira Regional als kulturelle, sportliche und pädagogische Praxis zu bewahren.

Das Zeichen der Capoeira Regional ist eng mit der Tradition Mestre Bimbas verbunden und steht für die Identität, Geschichte und Weitergabe dieser besonderen Linie der Capoeira.
Im Zentrum des Zeichens befindet sich der Buchstabe R. Er verweist auf die Capoeira Regional, die von Mestre Bimba in Salvador da Bahia entwickelt wurde. Das Zeichen steht damit für eine Capoeira, die Tradition, Kampfkunst, Musik, Disziplin und methodisches Training miteinander verbindet. Die geometrische Form des Symbols wirkt klar, kraftvoll und ausgewogen. Sie erinnert an Struktur, Ordnung und Stabilität. Diese Eigenschaften spiegeln zentrale Werte der Capoeira Regional wider: Aufmerksamkeit, Kontrolle, Respekt, Technik und Körperbeherrschung.

Für viele Capoeiristas ist das Regional-Zeichen mehr als ein grafisches Symbol. Es ist ein Zeichen der Zugehörigkeit zu einer Tradition, die über Generationen weitergegeben wurde. Es erinnert an Mestre Bimba, seine Schüler und an alle Mestres, die die Capoeira Regional bewahrt, gelehrt und weiterentwickelt haben.
Innerhalb der UNICAR steht das Zeichen für die Verbindung zur ursprünglichen Capoeira Regional, für Respekt gegenüber der Geschichte und für die Verantwortung, diese Tradition lebendig an kommende Generationen weiterzugeben.

Traditionelles Symbol der Capoeira Regional nach Mestre Bimba

Mestre Bimba legte großen Wert auf Disziplin, Aufmerksamkeit, Respekt und bewusstes Verhalten innerhalb und außerhalb der Roda. Seine Regeln waren nicht nur Trainingshinweise, sondern auch Lebensregeln für Capoeiristas. Sie zeigen, dass Capoeira Regional nicht allein aus Technik besteht, sondern auch aus Haltung, Wachsamkeit und Verantwortung.

Não dobre esquinas.

Biege nicht unachtsam um Ecken.

Na casa dos outros, se for dormir, durma com um olho fechado e outro aberto.

Wenn du im Haus eines anderen schläfst, schlafe mit einem geschlossenen und einem offenen Auge.

Não passe debaixo de árvores frondosas à noite.

Gehe nachts nicht unter dicht belaubten Bäumen entlang.

Não sente de costas pra rua em lugar algum.

Setze dich nirgendwo mit dem Rücken zur Straße.

Não ande em ruas escuras.

Gehe nicht durch dunkle Straßen.

Seguro morreu de velho.

Wer vorsichtig ist, lebt länger.

Na roda, se cochilar, o cachimbo cai.

Wer in der Roda unaufmerksam ist, verliert den Vorteil.

Deixe de fumar. É proibido fumar durante os treinos.

Hör auf zu rauchen. Während des Trainings ist Rauchen verboten.

Deixe de beber. O uso do álcool prejudica o metabolismo muscular.
Hör auf zu trinken. Alkohol beeinträchtigt den Muskelstoffwechsel.

Evite demonstrar aos seus amigos de fora da roda de capoeira os seus progressos. Lembre-se de que a surpresa é a melhor aliada na luta.

Vermeide es, Freunden außerhalb der Capoeira-Roda deine Fortschritte zu zeigen. Denk daran, dass Überraschung der beste Verbündete im Kampf ist.

Evite conversar durante os treinos. Você está pagando pelo tempo que passa na academia e, observando os outros lutadores, aprenderá mais.
Vermeide Gespräche während des Trainings.
Du bezahlst für die Zeit, die du in der Akademie verbringst, und durch das Beobachten der anderen Kämpfer lernst du mehr.

Gingue sempre.

Bleibe immer in der Ginga.

Pratique diariamente os exercícios fundamentais.

Trainiere täglich die grundlegenden Übungen.

Não tenha medo de se aproximar do oponente. Quanto mais próximo se mantiver, mais aprenderá.

Habe keine Angst, dich dem Gegner zu nähern. Je näher du an ihm bleibst, desto mehr wirst du lernen.

Conserve sempre o corpo relaxado.

Halte deinen Körper immer entspannt.

É melhor apanhar na roda do que na rua.

Es ist besser, in der Roda zu lernen als auf der Straße geschlagen zu werden.

Das folgende Regelwerk beschreibt wichtige Traditionen, Rituale und Besonderheiten der Capoeira Regional nach Mestre Bimba. Es dient als Orientierung für das Verständnis unserer Linie und zeigt, dass Capoeira Regional nicht nur aus Technik besteht, sondern auch aus Musik, Disziplin, Ritualen, Geschichte und gelebter Tradition.

Regel 1: Die Bateria der Capoeira Regional
Die klassische Bateria der Capoeira Regional nach Mestre Bimba besteht aus einem Berimbau und zwei Pandeiros. Diese Formation wird auch als Charanga bezeichnet. Das Pandeiro ist eine Rahmentrommel und ähnelt einem Tamburin. Der Berimbau ist ein Musikbogen und eines der wichtigsten Instrumente der Capoeira. Er besteht aus einem gebogenen Holzstab, dem Arco, einer Drahtsaite, dem Arame, einer ausgehöhlten Kalebasse, der Cabaça, sowie einem kleinen Stein oder einer Münze, mit der die Töne verändert werden. In der Capoeira Regional bestimmt der Berimbau den Rhythmus, die Energie und den Charakter des Spiels.

Regel 2: Die Charanga
Die Charanga bezeichnet die musikalische Formation der Capoeira Regional nach Mestre Bimba. Sie begleitet die Roda und gibt den Spielern Orientierung. Durch Rhythmus, Gesang und Energie steuert sie das Spiel und hält die Verbindung zwischen Musik, Bewegung und Tradition.

Regel 3: Die Toques der Capoeira Regional
Zu den bekannten Toques der Capoeira Regional nach Mestre Bimba gehören São Bento Grande de Mestre Bimba, Iúna, Banguela, Santa Maria, Idalina, Amazonas, Cavalaria und der Hino da Capoeira Regional. Jeder Toque besitzt seinen eigenen Charakter und beeinflusst die Art des Spiels. Manche Toques fordern ein schnelles, kämpferisches und direktes Spiel, andere ein ruhigeres, kontrolliertes oder akrobatisches Spiel.

Regel 4: Das Spiel der Iúna
Iúna ist ein besonderer Toque der Capoeira Regional. Traditionell ist dieses Spiel den formados, also den ausgebildeten Capoeiristas, vorbehalten. Das Iúna-Spiel ist elegant, technisch und akrobatisch. Es wird nicht als gewöhnliches Kampfspiel verstanden, sondern als Demonstration von Kontrolle, Erfahrung, Geschicklichkeit und Körperbeherrschung. In vielen Traditionen zeigen die Capoeiristas dabei Bewegungen aus der Cintura Desprezada.

Regel 5: Esquenta-Banho
In der Akademie von Mestre Bimba gab es das sogenannte Esquenta-Banho. Dieser Ausdruck bedeutet sinngemäß „das Bad wird aufgewärmt“. Nach dem Training warteten die Schüler darauf, nacheinander baden zu können. Da nur begrenzte Möglichkeiten zum Waschen vorhanden waren, konnte diese Wartezeit länger dauern. Währenddessen blieben die Schüler aktiv, bewegten sich weiter und übten miteinander. Das Esquenta-Banho wurde dadurch zu einem eigenen Moment des Trainings, in dem Aufmerksamkeit, Widerstandsfähigkeit und Bereitschaft weiter geschult wurden.

Regel 6: Bumba Meu Boi
Bumba Meu Boi ist ursprünglich ein brasilianisches Volksfestspiel, in dem ein Ochse eine zentrale Rolle spielt. In der Tradition der Capoeira Regional bezeichnet der Begriff eine Übungsform, bei der zwei oder mehrere Capoeiristas gemeinsam auf einen einzelnen Spieler zugehen. Der einzelne Spieler muss reagieren, ausweichen, sich schützen und handlungsfähig bleiben. Diese Übung schult Aufmerksamkeit, Reaktion, Beweglichkeit und Selbstbeherrschung unter Druck.

Regel 7: Emboscada
Die Emboscada war ein besonderer Abschnitt in der Ausbildung fortgeschrittener Schüler. Der Begriff bedeutet Hinterhalt. Im Rahmen der Spezialisierung wurden Schüler in Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe stellte der anderen nach, sodass die Capoeiristas lernen mussten, aufmerksam zu bleiben, sich zu orientieren und auch außerhalb der gewohnten Roda-Situation zu reagieren. Die Emboscada steht für einen Teil der Ausbildung, in dem Wachsamkeit, Mut, Strategie und praktische Anwendung der Capoeira geprüft wurden.

Regel 8: Aguardente Mulher
Aguardente Mulher, auch mit dem Namen Mulher Bárbara verbunden, wird in einigen Überlieferungen als besondere Mischung oder geheime Formel Mestre Bimbas beschrieben, die bei bestimmten Feierlichkeiten eine Rolle spielte.
Die genaue Bedeutung und Anwendung wird je nach Quelle unterschiedlich erklärt. Sie gehört zu den mündlich überlieferten Elementen der Capoeira Regional und zeigt, wie stark Ritual, Gemeinschaft und Tradition in Mestre Bimbas Schule miteinander verbunden waren.

Regel 9: Berimbau de Ponta
Der Begriff Berimbau de Ponta wird mit besonderen Bauweisen und Feinheiten des Berimbaus in der Tradition Mestre Bimbas verbunden. Der Berimbau war für Mestre Bimba nicht nur ein Musikinstrument, sondern ein zentrales Element der Capoeira Regional. Klang, Bauweise, Spieltechnik und Rhythmus waren entscheidend für die Führung der Roda und den Charakter des Spiels.

Regel 10: Der Spezialisierungskurs
Der Curso de Especialização, also der Spezialisierungskurs, war fortgeschrittenen Schülern vorbehalten, die bereits formados waren. In diesem Kurs wurden besondere Inhalte vermittelt, die über das reguläre Training hinausgingen. Dazu gehörten fortgeschrittene Techniken, Anwendungssituationen, besondere Übungen und Elemente, die der Vertiefung der Capoeira Regional dienten.

Regel 11: Apito
Der Apito, also die Pfeife, wurde in der Tradition der Capoeira Regional bei bestimmten Anlässen verwendet. Sie konnte dazu dienen, Abläufe zu strukturieren, Aufmerksamkeit herzustellen oder bestimmte Momente innerhalb einer Feierlichkeit oder Vorführung zu markieren. Auch dieses Element zeigt, dass die Capoeira Regional nach Mestre Bimba klar organisiert war und feste Formen, Zeichen und Rituale kannte.

Regel 12: Arranca Medalha
Arranca Medalha bedeutet wörtlich „die Medaille abreißen“. In der Tradition der Capoeira Regional bezeichnet der Begriff eine anspruchsvolle Prüfungssituation.
Erfahrene und bereits ausgebildete Capoeiristas forderten Schüler körperlich und mental heraus. Diese Erfahrung galt als eine Art Feuertaufe. Sie sollte Mut, Standhaftigkeit, Aufmerksamkeit und die Fähigkeit prüfen, unter Druck zu reagieren. Arranca Medalha zeigt, dass die Ausbildung bei Mestre Bimba nicht nur auf Technik ausgerichtet war, sondern auch auf Charakter, Disziplin und innere Haltung.

Das Graduierungssystem der UNICAR zeigt den Entwicklungsweg eines Capoeiristas innerhalb der Capoeira Regional. Die Kordel ist dabei nicht nur ein äußeres Zeichen des Fortschritts, sondern steht auch für Verantwortung, Erfahrung, Wissen und Haltung.
In der Capoeira geht es nicht allein darum, Bewegungen zu beherrschen. Zur Entwicklung eines Capoeiristas gehören Technik, Musik, Rhythmusgefühl, Verständnis der Roda, Respekt gegenüber dem Gegenüber, Kenntnis der Tradition und die Fähigkeit, das eigene Wissen verantwortungsvoll weiterzugeben.

Graduierungen der Erwachsenen
Das Graduierungssystem der Erwachsenen ist in verschiedene Entwicklungsstufen gegliedert. Am Anfang steht der Aluno, also der Schüler. In dieser Phase lernt der Capoeirista die Grundlagen der Bewegung, die Ginga, einfache Angriffe und Ausweichbewegungen, erste Lieder, Rhythmus und das Verhalten in der Roda.
Mit zunehmender Erfahrung folgen höhere Stufen wie Graduado und Formado. Diese Graduierungen zeigen, dass der Capoeirista die Grundlagen gefestigt hat und ein tieferes Verständnis für Technik, Spiel, Musik und Tradition entwickelt.
Die Stufen Estagiário I und Estagiário II kennzeichnen eine weiterführende Ausbildungsphase. In dieser Zeit übernimmt der Capoeirista zunehmend Verantwortung, vertieft seine Kenntnisse und kann beginnen, andere im Training zu unterstützen.
Die Stufen Professor I, Professor II und Professor III stehen für erfahrene Capoeiristas, die unterrichten, Gruppen leiten und ihr Wissen aktiv weitergeben. Neben technischem Können spielen hier pädagogische Verantwortung, musikalisches Wissen, Erfahrung in der Roda und die Verbundenheit mit der Tradition eine wichtige Rolle.
Die Graduierung Contramestre bezeichnet eine sehr hohe Stufe innerhalb der Capoeira. Ein Contramestre verfügt über umfassende Erfahrung, tiefes Wissen und große Verantwortung innerhalb der Gruppe.
Die höchste Graduierung ist Mestre. Ein Mestre ist nicht nur Lehrer, sondern Träger und Bewahrer der Tradition. Er gibt Wissen weiter, prägt Schüler und Gruppen, schützt die Werte der Capoeira und trägt Verantwortung für die Weiterentwicklung der Linie.

Graduierungen der Kinder
Für Kinder gibt es innerhalb der UNICAR ein eigenes Graduierungssystem. Es begleitet die jungen Capoeiristas Schritt für Schritt in ihrer Entwicklung und berücksichtigt Alter, Lernfortschritt, Konzentration, Bewegungserfahrung und persönliches Wachstum. Die Kinderkordeln motivieren die Schüler, regelmäßig zu trainieren, neue Bewegungen zu lernen, Musik und Rhythmus zu verstehen und sich respektvoll in der Gruppe zu verhalten. Dabei steht nicht der Leistungsdruck im Vordergrund, sondern die altersgerechte Entwicklung.
Kinder lernen durch Capoeira Körperkoordination, Gleichgewicht, Rhythmusgefühl, Aufmerksamkeit, Mut und Rücksichtnahme. Die Graduierungen helfen ihnen, ihre Fortschritte sichtbar zu erleben und gleichzeitig Geduld, Disziplin und Gemeinschaftssinn zu entwickeln.

Bedeutung der Kordel
Die Kordel ist ein Symbol für den Weg des Capoeiristas. Jede Graduierung steht für einen Abschnitt dieses Weges. Sie zeigt, was bereits gelernt wurde, erinnert aber auch daran, dass Capoeira ein lebenslanger Lernprozess ist.
In der UNICAR wird die Graduierung deshalb nicht nur als technische Stufe verstanden. Sie verbindet Können, Wissen, Respekt, Verantwortung und die Zugehörigkeit zur Tradition der Capoeira Regional.


Die Sequências de Ensino gehören zu den wichtigsten methodischen
Grundlagen der Capoeira Regional nach Mestre Bimba. Sie dienen dazu,
Angriff, Verteidigung, Timing, Distanzgefühl und Reaktionsvermögen
systematisch zu trainieren.

In den Sequências üben zwei Capoeiristas festgelegte Bewegungsabläufe
miteinander. Dadurch lernen sie nicht nur einzelne Techniken, sondern
auch den fließenden Dialog zwischen Angriff und Ausweichen, zwischen
Aktion und Reaktion. Bis heute bilden die Sequências einen zentralen
Bestandteil des Trainings in der Tradition der Capoeira Regional.

 

 

 

Primeira Sequência

Nr.AtaqueNr.Defesa
1Meia-Lua de Frente, perna atrás à direita2Cocorinha à esquerda
3Meia-Lua de Frente, perna atrás à esquerda4Cocorinha à direita
5Armada, perna atrás à direita6Negativa à esquerda
7Aú à esquerda8Cabeçada
9Rolê à esquerda  

Segunda Sequência

Nr.AtaqueNr.Defesa
1Queixada, perna atrás à direita2Cocorinha à esquerda
3Queixada, perna atrás à esquerda4Cocorinha à direita
5Armada, perna atrás à direita6Cocorinha à direita
7Benção, perna atrás à direita8Negativa à direita
9Aú à esquerda10Cabeçada
11Rolê à esquerda  

Terceira Sequência

Nr.AtaqueNr.Defesa
1Martelo, perna atrás à direita2Cutila à esquerda
3Martelo, perna atrás à esquerda4Cutila à direita
5Armada, perna atrás à direita6Cocorinha à direita
7Benção à direita8Negativa à direita
9Aú à esquerda10Cabeçada
11Rolê à esquerda  

Quarta Sequência

Nr.AtaqueNr.Defesa
1Godeme à direita2Palma à esquerda
3Godeme à esquerda4Palma à direita
5Galopante à direita6Arrastão à direita
7Negativa à esquerda8Aú à esquerda
9Rolê à direita  

Quinta Sequência

Nr.AtaqueNr.Defesa
1Giro à direita2Ginga normal
3Joelhada à direita4Arpão de Cabeça
5Continua na Joelhada6Negativa à direita
7Aú à esquerda8Cabeçada
9Rolê à esquerda  

Sexta Sequência

Nr.AtaqueNr.Defesa
1Meia-Lua de Compasso à direita2Cocorinha à direita
3Meia-Lua de Compasso à direita4Cocorinha à direita
5Joelhada à direita6Negativa à direita
7Aú à esquerda8Cabeçada
9Rolê à esquerda  

Sétima Sequência

Nr.AtaqueNr.Defesa
1Armada, perna atrás à direita2Cocorinha à direita
3Armada, perna atrás à direita4Cocorinha à direita
5Benção à direita6Negativa à direita
7Aú à esquerda8Cabeçada
9Rolê à esquerda  

Oitava Sequência

Nr.AtaqueNr.Defesa
1Benção à direita2Negativa à direita
3Aú, perna atrás à direita4Cabeçada
5Rolê à esquerda  

Die Cintura Desprezada gehört zu den charakteristischen Lehrmethoden der Capoeira Regional nach Mestre Bimba. Sie wurde entwickelt, um das sichere Ausführen von Würfen, Hebetechniken und Fallbewegungen zu vermitteln und gleichzeitig Vertrauen zwischen den Trainingspartnern aufzubauen.
In festgelegten Bewegungsabläufen lernen die Capoeiristas, den Partner kontrolliert anzuheben, zu projizieren und sicher wieder abzusetzen. Ebenso wird das richtige Verhalten beim Fallen trainiert, um Verletzungen zu vermeiden und die Körperkontrolle zu verbessern. Die Übungen fördern Gleichgewicht, Koordination, Reaktionsvermögen und das gegenseitige Verantwortungsbewusstsein.
Die Cintura Desprezada vermittelt wichtige Grundlagen für den Umgang mit Projektionen und Würfen innerhalb der Capoeira Regional. Gleichzeitig stärkt sie das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten sowie in den Trainingspartner. Bis heute gilt sie als ein bedeutender Bestandteil des traditionellen Lehrsystems von Mestre Bimba und wird in vielen Regional-Gruppen als Ausdruck technischer Präzision und partnerschaftlichen Trainings gepflegt.

 

Grundbewegungen

Ginga: Der Grundschritt der Capoeira. Aus der Ginga entstehen Angriffe, Ausweichbewegungen, Finten und Übergänge.

Aú: Der Capoeira-Begriff für den Radschlag.

Aú Aberto: Ein offenes Rad mit gestrecktem Körper und weiter Bewegung.

Aú Fechado: Ein geschlossenes Rad mit angezogenen Beinen.

Aú Batido: Eine unterbrochene Radbewegung in einer kontrollierten Handstandposition.

Base / Cadeira / Paralelo: Eine breite, tiefe Grundstellung mit gebeugten Beinen.

Pêndulo: Eine pendelnde Ausweichbewegung des Oberkörpers.

Bodenbewegungen und Ausweichbewegungen

Esquiva: Allgemeiner Begriff für Ausweichbewegungen.

Cocorinha: Tiefe Hocke mit einer Hand am Boden und Schutzhand vor dem Gesicht.

Negativa: Tiefe Ausweichbewegung mit einem gestreckten und einem gebeugten Bein.

Rolê: Drehbewegung am Boden oder aus der tiefen Position heraus.

Runde Tritte

Meia-Lua de Frente: Halbkreisförmiger Tritt von außen nach innen.

Meia-Lua de Compasso: Gedrehter, halbkreisförmiger Tritt mit dem hinteren Bein.

Armada: Gedrehter Tritt mit ausgestrecktem Bein.

Queixada: Halbkreisförmiger Tritt von innen nach außen.

Gerade und direkte Tritte

Benção: Gerader Stoßtritt nach vorne.

Ponteira: Gerader, schnappender Tritt nach vorne.

Martelo: Seitlich ausgeführter Schnapptritt.

Joelhada: Kniestoß nach vorne.

Würfe und Fußfeger

Rasteira: Fußfeger gegen das Standbein.

Banda: Wurftechnik oder Fußfeger im Bereich der Beine.

Vingativa: Wurfbewegung zum Brechen des Gleichgewichts.

Tesoura: Scherenwurf mit den Beinen.

Handschläge, Ellbogen und Kopfstöße

Galopante: Seitlicher Schlag mit der offenen Hand.

Cotovelada: Ellbogenstoß.

Cabeçada: Kopfstoß.

Die UNICAR – União Internacional de Capoeira Regional® ist als Marke geschützt. Der Markenschutz dient dazu, den Namen, die Identität und die Arbeit der UNICAR zu bewahren und vor unberechtigter Nutzung zu schützen.
Die Nutzung des Namens UNICAR – União Internacional de Capoeira Regional® sowie ähnlicher Bezeichnungen im Zusammenhang mit gleichen oder ähnlichen Angeboten, Dienstleistungen oder Waren ist nur mit Zustimmung des Markeninhabers gestattet.

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SÜDAMERIKA ENTDECKEN - Projekt Kullpana

Mit dem Projekt Kullpana unterstützen wir eine nachhaltige Reiseinitiative im bolivianischen Amazonasgebiet. Die Madidi Kullpana Ecolodge verbindet Naturerlebnis, lokale Kultur und respektvollen Tourismus in einer der beeindruckendsten Regionen Südamerikas.

Das Projekt Kullpana unterstützt nachhaltigen und gemeinschaftsbasierten Tourismus im bolivianischen Amazonasgebiet. Im Mittelpunkt stehen der Schutz des Madidi-Nationalparks, die Förderung lokaler Gemeinschaften und authentische Naturerlebnisse für Besucher aus aller Welt.

Die Madidi Kullpana Ecolodge liegt nahe Rurrenabaque im Madidi-Nationalpark in Bolivien. Die Region zählt zu den artenreichsten Gebieten der Erde und gilt als eines der beeindruckendsten Naturparadiese Südamerikas.

Die Ecolodge ist eng mit der indigenen Gemeinschaft von San José de Uchupiamonas verbunden. Lokale Guides begleiten die Gäste und vermitteln Wissen über Natur, Kultur und Traditionen der Region. Gleichzeitig trägt das Projekt zum Schutz des Regenwaldes und zur Unterstützung der lokalen Bevölkerung bei. :contentReference

Besucher können den Amazonas auf geführten Dschungelwanderungen, Bootsfahrten, Tierbeobachtungen und mehrtägigen Expeditionen erleben. Besonders beliebt sind Vogelbeobachtungen, Regenwaldtouren und Begegnungen mit der einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt des Madidi-Nationalparks.

Jeder Aufenthalt trägt dazu bei, nachhaltigen Tourismus im Amazonasgebiet zu fördern. Die Einnahmen unterstützen lokale Arbeitsplätze, die indigene Gemeinschaft sowie Maßnahmen zum Schutz des Regenwaldes und seiner außergewöhnlichen Artenvielfalt.


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